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Polen

Es hat zunächst einige Zeit gedauert, den "Reisebericht" von Günter und mir über unsere Exkursion nach Niederschlesien zu Papier zu bringen respektive hier einzustellen. Aber nun sind alle Informationen zur Hand und es kann losgehen!

Sonntag, 07.09.2008 

Abreise von Leinfelden-Echterdingen Sonntag, den 07.09.2008 um 08.30 h über Nürnberg, Dresden nach der deutsch-polnischen Grenzstadt Görlitz.

Von dort weiter auf der sich im Ausbau befindenden Bundestrasse durch das ehemalige Bunzlau/Bolestalsiec zur Anschlußstelle Krzyzowa auf die E 40 nach Breslau/Wroclawc. Das war zunächst unser Wollen...in Bunzlau verfranzten wir uns, aber mit Hilfe eines polnischen Ehepaares - das uns durch Bunzlau lotst - gelangen wir auf den Zubringer zur E 40. An Liegnitz/Legnica, Breslau und Opole/Oppeln geht es vorbei, bis wir Dabrówka erreichen. Nun die letzten 70 Kilometer auf der Bundesstraße 14 bis nach Oberglogau. Ankunft am Hotel Salve in Glogówek gegen 18.30 h nach mehr als 900 Kilometern! Nach einem herzhaften Abendessen und dem ersten polnischen Absacker ist ab 23.30 h Bettruhe angesagt.

Montag, 08.09.2008

Heute ist der erste Recherchetag. Wir fahren nach Neustadt/Prudnik. Hier wollen wir in der St. Michaelis Pfarrkirche nach Spuren von Franz Emanuel, meinem Urgroßvater, suchen, der dort 1857 getauft worden ist.

Zunächst verfehlen wir diese Kirche und landen mit Hilfe eines deutsch sprechenden Einwohners im Rathaus. Dort nimmt sich eine deutsch sprechende Angestellte unser an und bringt uns zum Einwohnermeldeamt. Wir erfahren, daß sämtliche standesamtlichen und Einwohnermeldedaten, die älter als 100 Jahre sind, im Staatsarchiv Oppeln gelagert werden. Zu diesem Zeitpunkt ist uns beiden noch nicht klar, wie zeitaufwendig Recherchen über unsere Familie in Polen sein können... aber dazu später.

Die St. Michaelis Kirche wird gefunden, das dazu gehörende Sekretariat auch. Nur der zuständig Pastor spielt bei unseren Nachfragen nicht ganz mit - denn seine Aussagen lauteten, dass es in seiner Pfarrei keine Kirchenbücher aus dieser Zeit gibt. Und rückwärtige Urkunden ab 1989 werden alle beim Diözesan Archiv in Oppeln geführt, da Jassen und Neustadt zum Bistum Oppeln gehören. Mit der Adresse des Archivs in Oppeln verlassen wir das Sekretariat und machen uns auf nach Jassen/Jasiona.

In diesem kleinen Ort mit cirka 20 Häusern wollen wir herausfinden, ob es irgend welche Nachweise über unsere Familie gibt. Von einer deutsch sprechenden Einwohnerin, einer Frau Franke, bekommen wir eine "Gemeindekarte des Dorfes Jassen" - allerdings ohne Altersbestimmung. In dieser tauchen Namen wie Heisig und Wistuba auf, die mit Töchtern unserer Familie verheiratet waren. 

Dienstag, 09.09.2008

Am Morgen fahren wir nach Breslau, um das Archiv des Erzbistum Breslau aufzusuchen. Der Termin war von mir bereits einige Tage vor unserer Reise telefonisch vereinbart worden.

Da Dom, Klöster und Archiv nicht sehr leicht für Nicht - Einheimische zu finden sind, lassen wir uns von einem Taxifahrer dort hinbringen. Der zu zahlende Obolus von 30 Zloty war das Lotsen wert. Wir werden sehr nett empfangen, aber konkrete Hinweise können wir in den alten Kirchenbüchern (bis 1720 zurück gegangen) nicht finden. Wir bekommen die Tipps, bei den Jesuiten in der Dekanatskirche St. Mariä Himmelfahrt in Glatz nach Urkunden nachzufragen. Dokumente ab dem 18. Jahrhundert aus Neustadt können beim Oppelner Kirchenarchiv eingesehen werden. Gegen 14 Uhr verlassen wir Breslau und fahren - zunächst - ohne Ergebnis nach Oberglogau zurück.

Mittwoch, 10.09.2008

Heute solle in Glatz/Klodzkó die Suche nach Franz Emanuel und seiner Wohnadresse beginnen. Also auf den Weg gemacht, unsere Unterlagen zur Hand und ab ins Rathaus.

Aber es gibt Schwierigkeiten... Die Leiterin, daß sie es war, erfahren wir später von Silwia Pawlowicz, war der Meinung, dass sind alles Unterlagen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind - mit anderen Worten: Top Secret. Silwia, eine jüngere Mitarbeiterin, die Englisch spricht, überzeugt in einem "Vier-Augen-Gespräch" ihre Referatsleiterin, daß es für sie doch möglich sein muß, zumindest einmal nachzusehen, ob überhaupt noch Unterlagen über den Namen Schurse existieren. Nach einer einstündigen Wartezeit kommt Silwia zu uns und erklärt, daß am 12.09.2008 ein Übersetzer kommt, um die deutsche Schrift der Urkunden zu übersetzen: im Klartext - über meinen Vater gibt es Informationen zur Glatzer Wohnadresse aus dem Jahr 1912! Also, warten bis Freitag, den 12.09.2008, 11 Uhr im Rathaus.

In der Dekanatskirche St. Mariä Himmelfahrt haben wir Erfolg: in den alten Kirchenbüchern finden wir die Heiratsurkunden von Franz Emanuel und die seines Sohnes Franz, sowie die Taufurkunden von Alfred und Lothar Schurse.

Donnerstag, 11.09.2008

Werden wir im Bischöflichen Archiv der Diözese Oppeln erfahren, ob Heirats-, Tauf- oder Todesurkunden über unsere Familienmitglieder aus Neustadt bzw. Jassen vorhanden sind?

Man sollte sich, bevor man eine Reise antritt, nach den Öffnungszeiten dieser Archive erkundigen. Heute kennen wir sie... Wir kommen in Oppeln an und stehen vor verschlossenen Türen. Der Leiter des Archivs, Pater Rudolf Nieszwiec, weilt zu einer Vorlesung in der Fakultät und wird gegen 14 Uhr zurück erwartet - es ist gerade 11.30 Uhr. Und im übrigen sind die Sprechstunden nur montags, dienstags und mittwochs... Aber irgend ein guter ponischer Mensch muß ein Einsehen mit den beiden Deutschen haben, denn es dringt bis zu ihm durch, daß da zwei auf ihn warten... Kurz nach 14 Uhr tritt aus dem Wohngebäude - direkt am Oppelner Dom - ein Priester auf uns zu und fragt,"Sie wollen zu mir?" Was wir natürlich bejahen und gleichzeitig erklären, was wir möchten. Nieszwiec hat ein Einsehen mit uns, lädt uns in das Archiv ein. Das Ergebnis: es gibt keine Kirchenbücher, sondern nur Verfilmungen der Mormonen (Kirche der letzten Tage). Unser Ergebnis: wir finden die Heiratsurkunden unseres Ururgroßvaters Anton und die seines Sohnes Anton Josef.

Freitag, 12.09.2008

Ob wir heute gegen 11 Uhr im Glatzer Rathaus von Silwia Pawlowicz hören, wo unsere Vorfahren in  Glatz wohnen?

Wir erfahren, daß die Dolmetscherin bereits da gewesen ist und auf einem kleinen Zettel vermerkte, daß Lothar Schurse, mein Vater, 1912 in der Luisenstraße 5 A wohnte. Weitere Informationen hätte sie nicht, vielmehr sollten wir uns wegen weiterer Auskünfte an das staatliche Archiv in Breslau wenden. Wir bedanken uns, gehen zur städtischen Bibliothek und lesen auf der Internetseite der Stadt Glatz, daß die ehemalige Luisenstraße heute Ulic Wandy heißt. Mit Hilfe des Stadtplans finden wir diese Straße...aber eine 5 A gibt es nicht... Trotzdem, es ist ein eigenartiges Gefühl sagen zu können, hier ist mein Vater geboren worden, hier hat er einige Zeit gelebt, ist aufgewachsen.

Bevor wir nach Oberglogau zurückfahren, besuchen wir noch einmal die Dekanatskirche, um nach Otto Schurse zu suchen, der 1862 geboren worden ist. Die Kirchenbücher der Jahre 1861 und 1862 werden gewälzt - ein Otto Schurse nicht gefunden.

Samstag, 13.09.2008

Rückfahrt morgens gegen 08.30 Uhr -  Ankunft in Leinfelden - Echterdingen 17.30 Uhr; mehr als 2700 Kilometer gefahren

Mein vorläufiges Fazit dieser Reise: interessante und freundliche Menschen kennen gelernt; eine wunderbare Region, die hoffentlich noch ein paar Jahre so unverfälscht bleibt wie sie zur Zeit noch ist...und einen prima Kumpel als Begleiter gehabt! Danke Günter!

In Sachen Vorfahren: zwar magere Ausbeute, aber Informationen bekommen, wo man nachlesen bzw. nachfragen kann - bei den staatlichen Archiven in Oppeln und Breslau; verfilmte Kirchenbücher von Glatz und Neustadt bei den Mormonen ein- und ansehen.

Mein Wunsch: 2009 gemeinsam mit meiner Frau Ruth diese Region noch einmal zu besuchen!

PS: mitgebrachter schlesischer Mohnkuchen hat allen geschmeckt...

Bilder von Neustadt, Oppeln, Glatz und Breslau werden in  den nächsten Tagen eingestellt...

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